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| (© Rise and Shine Cinema) |
Raving Iran (Schweiz 2016, 90 Minuten)
Regie: Susanne Regina Meures
Besetzung: Arash und Anoosh (Blade & Beard)
Handlung: Musiker haben es im
Iran alles andere als leicht. Da sämtliche westliche Einflüsse verboten sind,
muss alles einen strengen Kontrollprozess durchlaufen, an dessen Ende nicht
selten das Verbot des Produktes steht. Vor allem elektronische Musik hat
eigentlich keine Chance auf Verbreitung, wie die Dokumentation Raving Iran anhand der DJs Arash und Anoosh alias Blade & Beard aufzeigt. Ob sie tief
in der Wüste einen Rave veranstalten, eine Genehmigung für ihre Musik benötigen
oder eine ihrer CDs per Post ins Ausland verschicken wollen – die Kamera ist
immer hautnah dabei und blickt so hinter die Kulissen eines Landes und eines
politischen Systems, das die Freiheit seiner Künstler und aller Bürger aufs Ärgste
beschneidet und wo jedes Streben nach persönlicher Entfaltung einem Kampf gegen
Windmühlen gleichkommt.
Nachdem der erste
Teil der Dokumentation noch die Schwierigkeiten für Musiker im Iran behandelt, richtet
die zweite Hälfte ihr Hauptaugenmerk auf die Frage, ob und wie man sich aus
diesem System befreien kann. Nachdem Arash und Anoosh sich bereits mit einem
schmierigen, angeblich seriösen Schleuser unterhalten haben und sein Angebot
nur aus Budget-Gründen nicht in Frage kam, erhalten sie die Einladung zu einem
Musikfestival in der Schweiz. Als es schließlich ernst wird und die beiden die
Chance bekommen, ihr Heimatland das erste Mal überhaupt zu verlassen und nach
Europa zu reisen, rückt die Entscheidung zwischen dem fast vollständigen Fehlen
individueller Freiheit in der vertrauten Heimat und der fremden und ungewissen
Ferne, die jedoch die Chance auf persönliche Entfaltung bietet, in den
Vordergrund.
Zum Film: Das Material zu Raving Iran entstand in den Jahren 2013 und 2014, als Regisseurin Susanne
Regina Meures die beiden DJs persönlich begleitete. Aus Sicherheitsgründen
filmte sie oft nur mit ihrer Handykamera, die Videobänder mussten teilweise
heimlich nach Europa geschickt werden, wo der Film schließlich fertig gestellt
wurde. So entstand eine Dokumentation, die durch die Augen zweier sympathischer
junger Männer einen zutiefst persönlichen Einblick in den Iran und auf seine
Einwohner bietet. Ausgehend von Arash und Anooshs Antrieb ihre Musik verbreiten
zu dürfen, gelingt es dem Film, einen frischen Blickwinkel auf eine Gesellschaft
zu schaffen, die von oberflächlicher Regierungshörigkeit und dem
hintergründigen Streben nach persönlicher Freiheit geprägt ist.
So schmunzelt die
Mitarbeiterin eines Amtes, das sich mit der Freigabe der Plakatentwürfe des
DJ-Duos auseinandersetzt, selbst über die eigenen Richtlinien: "Keine englische
Sprache! Aber 'Made in Iran' ist in Ordnung – weil es für unser wunderschönes
Land wirbt." Und der Inhaber eines Buch- und Musikgeschäftes rät Arash und
Anoosh, ein unauffälliges und den Richtlinien entsprechendes CD-Cover zu
wählen, damit die Polizei nicht auf ihr Album aufmerksam wird und weiß: "Die
Regierung liebt es, belogen zu werden."
Man mag kritisieren,
dass dringende Themen wie die Gefahren, die auf dem Weg nach Europa warten oder
die Probleme am Ziel der Reise, wie z.B. offene Anfeindungen, nur am Rande
angeschnitten werden – doch hat die Dokumentation auch nicht den Anspruch diese
zu behandeln. Gerade im Kontrast zu den sonst vorherrschenden
Schreckensberichten zeichnet sie das richtige Bild zur richtigen Zeit. Ein
Bild, das für uns durch Verbot und Zensur auf der einen Seite und einseitige
Berichterstattung auf der anderen Seite sonst unsichtbar bleibt. Raving Iran ist eindringlich, aber zu keinem Zeitpunkt aufdringlich und ist das authentische
Porträt einer Generation, die innerhalb eines antiquierten Systems versucht,
mit dem Tempo unserer globalisierten Welt Schritt zu halten – oder aber sich
entscheidet zu fliehen. Hochverdiente 8
von 10 Punkten.

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