![]() |
| (© STUDIOCANAL) |
Die Geschichte hält sich dabei, wie auch das Original, relativ getreu an den zugrunde liegenden Stoff Dracula von Bram Stoker. Der junge Immobilienmakler Jonathan Harker bekommt den Auftrag, dem rumänischen Grafen Dracula ein Haus in seiner Wismarer Heimat zu vermitteln. Entgegen der Bedenken seiner Frau Lucy bricht er nach Transsilvanien auf, wo sich das Schloss des Grafen befindet. Auch die Warnungen der dortigen Einwohner halten ihn nicht davon ab, Dracula einen Besuch abzustatten. Doch bei ihm angekommen, wird Jonathan Harker schnell unwohl, denn es ist mehr als offensichtlich, dass es sich beim Grafen um einen Vampir handelt. Das wahre Unheil nimmt jedoch erst seinen Lauf, als Dracula das Angebot des Immobilienmaklers tatsächlich annimmt und in Richtung Wismar aufbricht...
Werner Herzogs Nosferatu-Verfilmung ist deutlich mehr Hommage, als Neuinterpretation. Er ändert zwar die Namen der Protagonisten ab und verpasst ihnen die aus Stokers Vorlage, ansonsten steht Herzogs Film aber zu jeder Zeit und unbestreitbar in der Tradition Murnaus. Nicht selten übernimmt er sogar ganze Sequenzen bis hin zur Kameraeinstellung. Diese tiefe Verbeugung vor dem Original-Nosferatu ist zwar angebracht, schadet meinem Empfinden nach aber dem Endprodukt. So wirkt der Film für sein Entstehungsjahr 1979 (in dem immerhin auch Alien in die Kinos kam) recht altbacken und träge. Oft macht Nosferatu den Anschein, als sei er für die Theaterbühne konzipiert; dazu gesellt sich ein fast dokumentarisch wirkender Filmstil. Einige modernere Einflüsse, ein wenig Straffung hier und da und eine dezente Orientierung am Horrorfilm der 1970er, statt lediglich am Stummfilm der 1920er, hätte dem Film wahrscheinlich gut getan.
![]() |
| Setfoto von Werner Herzog und Hauptdarsteller Klaus Kinski in seiner Nosferatu-Kostümierung |
Insgesamt kann man mit Werner Herzogs Nosferatu seinen Spaß haben – allerdings muss man diesen aus verschiedenen Elementen ziehen. Aus den Reminiszenzen an den Original-Film, aus den plausiblen Drehorten und Kulissen, aus der hervorragenden Leistung Kinskis. Abgesehen davon wirkt der Film sehr träge und weiß nicht sonderlich mitzureißen. Auch als Horrorfilm funktioniert Nosferatu nicht. Ebenso wie ein Horrorfilm aus den 1920er Jahren in der Regel heute nicht mehr als ein solcher zu schockieren weiß, kann dies auch die, an diese Filme angelegte, Neuverfilmung nicht. Somit bleibt eine interessante, stimmungsvolle und optisch ansprechende Hommage, die ihre Daseinsberechtigung hat, aber heutzutage nicht mehr vollends zu überzeugen und schon gar nicht mitzureißen weiß. 6,5 von 10 Punkten.
_____ _____ _____
Nosferatu – Phantom der Nacht (Deutschland, Frankreich 1979, 107 Minuten, FSK 16)
Regie: Werner Herzog
Darsteller: Klaus Kinski (Graf Dracula), Bruno Ganz (Jonathan Harker), Isabelle Adjani (Lucy Harker), Walter Ladengast (Dr. Van Helsing)
Drehbuch: Werner Herzog
Produktion: Werner Herzog
Musik: Popol Vuh, Florian Fricke, Charles Gounod, Richard Wagner
Kamera: Jörg Schmidt-Reitwein


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen