![]() |
| (© Titanus) |
So langsam geht es auf die Zielgrade meines diesjährigen
Horrorctobers, was meine Liste betrifft, aber vor allem, was den Monat selbst
betrifft. Beim heutigen Film handelt es sich um Tenebre von Dario Argento aus dem Jahr 1982.
Der Film erzählt die Geschichte des amerikanischen Autors
Peter Neal, der nach Rom reist, um dort sein neuestes Buch Tenebrae vorzustellen. Noch bevor
er dort ankommt, wird ein junges Mädchen brutal ermordet – genauso wie es in
Neals Buch passiert und darüber hinaus werden im Mund des Mädchens auch noch
Seiten aus Tenebrae gefunden. Kurz darauf erhält Neal einen ersten anonymen
Drohbrief und auch das Morden hört nicht auf: als nächsten sind zwei Lesben an
der Reihe, die ebenfalls auf bestialische Art nach Vorlage des Buches über den
Jordan geschickt werden. Ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem scheinbar von Neal besessenen Killer entfaltet sich.
Bereits zu Beginn des Films fallen zwei Dinge ganz deutlich
auf: zum einen der extrem fetzige und progressive 1980s Score, für den sich die
italienische Band Goblin
verantwortlich zeigte, zum anderen die unheimlich miese deutsche
Synchronisation, die im besten Falle aufgesetzt, im schlechtesten
stimmungstötend und unfreiwillig komisch wirkt. Insgesamt dauert es eine ganze
Weile, bis man sich an Tenebre
gewöhnt hat. Die Charaktere sind nicht gerade sympathisch und verhalten sich
oft merkwürdig, wodurch viele abstruse Momente entstehen, die in der ersten
Hälfte des Films einer ernsthaften Stimmung im Weg stehen. Auch an die bereits
erwähnte Musik muss man sich erst einmal gewöhnen, ist sie doch atypisch für
die Szenen, in denen sie eingesetzt wird. Sobald man sich aber damit
angefreundet hat, entfaltet der Soundtrack von Goblin eine sphärische Dichte, die zu faszinieren weiß und
schließlich einen großen Mehrwert für den Film bedeutet – zumindest war dies
aus meiner Sicht so; ich kann ebenso gut verstehen, wenn man mit der Musik
nicht warm wird.
Wenn man sich schließlich mit dem merkwürdigen, teils
surrealen Charakter des Films abfinden konnte, wird man mit Tenebre jedoch eine Menge Spaß haben.
Das liegt vor allem auch daran, dass er sich in seiner zweiten Hälfte deutlich
zu steigern weiß, nachdem Charaktere und Geschichte etabliert sind. Die
Spannung zieht deutlich an, es entsteht eine packende und düstere Atmosphäre.
Bis zum Finale, welches auch den absoluten Höhepunkt des Films darstellt, hat Tenebre den Zuschauer in seinen Bann
gezogen. Das muss nicht unbedingt an der Atmosphäre liegen, denn in die wird
sich nicht jeder problemlos fallen lassen können – bei mir hat es auch rund 45
Minuten gedauert –, doch gibt es einige wirklich starke Szenen mit tollen
Kamerafahrten und schönen Suspense-Momenten, die definitiv faszinieren und auch
für Wohlwollen sorgen sollten, wenn man vom Film ansonsten nicht so recht
angetan ist.
Allerdings ist Tenebre
eines nicht: ein Horrorfilm. Auch wenn es heißt, er vereine Elemente aus
Giallo, Thriller und Horror in sich, so sind die des Horrors doch mit Abstand
die am seltensten vertretenen. Ja, der Film ist brutal. Ja, es gibt viele Tote.
Und ja, es gibt düstere und verstörende Momente. Aber weder artet es in
Splatter aus, noch wird es gruselig. So ist Argentos Film ein brutaler Giallo,
als Horrorfilm würde ich ihn beim besten Willen aber nicht bezeichnen. Doch
auch wenn Tenebre vielleicht nicht
ganz ins Konzept des Horrorctober passt, bleibt bei mir insgesamt ein positives
Gefühl zurück. Meine Gewöhnungsschwierigkeiten und die offensichtlichen Mängel
der ersten Filmhälfte sind aufgrund des starken Finales fast vergessen und bei
einer zweiten Sichtung würde es mir mit Sicherheit leichter fallen, den Film
von Beginn an zu mögen. Feststeht in jedem Fall: Tenebre ist ein Gemütsspalter und für ein Mainstream-Publikum wohl
nicht die richtige Empfehlung. Wer jedoch bereit ist, über die eine oder andere
Skurrilität hinwegzusehen, oder gerade daraus einen Mehrwert zu ziehen weiß,
wird seinen Spaß haben! Von mir gibt es 7
von 10 Punkten.
_____ _____ _____
Tenebre – Der kalte Hauch des Todes (Tenebre, Italien 1982, 99 Minuten, FSK Ungeprüft/Geschnitten ab 18)
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Darsteller: Anthony Franciosa (Peter Neal), Christian Borromeo (Gianni), Mirella D'Angelo (Tilde), Veronica Lario (Jane McKerrow), Carola Stagnaro (Detective Altieri), John Steiner (Christiano Berti)
Produktion: Claudio Argento
Musik: Goblin
Kamera: Luciano Tovoli

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen